Edelstahl mit dem Kernbohrer bohren

Werkzeugwahl und typische Fehler bei V2A und V4A.

Stand:

Kurzantwort: Für Edelstahl eignen sich Kernbohrer aus ASP oder Hartmetall, einfache HSS-Ausführungen sind eher für Baustahl gedacht. Wichtig sind eine niedrigere Drehzahl als bei Baustahl, ein gleichmäßiger, nicht zu geringer Vorschub und reichlich Kühlschmierstoff, weil Edelstahl zur Kaltverfestigung neigt.

→ Kernbohrer im Shop ansehen

Warum ist Edelstahl schwieriger als Baustahl?

Edelstahl leitet Wärme schlecht, ist zäh und verfestigt sich unter Umformung. Das bedeutet: Reibt die Schneide, ohne sauber zu spanen, wird die Oberfläche härter und der nächste Zahn trifft auf einen noch widerstandsfähigeren Untergrund. Typisch ist das bei zu geringem Vorschub oder bei Stillstand der Schneide im Material. Hersteller unterscheiden Edelstahl auch nach Festigkeit: In Herstellerübersichten wird V2A (1.4301) mit einer Zugfestigkeit unter 700 N/mm² angegeben, V4A (1.4401) mit über 700 N/mm². Die Zuordnung zeigt, dass nicht jeder Edelstahl gleich schwer zu bohren ist.

Welcher Kernbohrer passt?

SchneidstoffEinsatz in Edelstahl
HSSje nach Modell eingeschränkt, Herstellerangabe prüfen
ASPzäher und verschleißfester als HSS, für Dauereinsatz geeignet
HM (Hartmetall)von Herstellern ausdrücklich für Stahl und Edelstahl beworben

Hersteller von Hartmetall-Kernbohrern nennen als Vorteile eine lange Standzeit, saubere Bohrungen mit wenig Grat und geringere Wärmeentwicklung. Hartmetall ist allerdings schlagempfindlich. Rüttelt die Maschine, oder ist das Werkstück nicht fest gespannt, brechen Schneiden eher aus. Eine Entscheidungshilfe zu den Schneidstoffen finden Sie auf der Seite Kernbohrer für Metall.

Vorgehen Schritt für Schritt

  1. Werkstück fest spannen. Keine Bewegung beim Durchbruch.
  2. Anbohrstelle ankörnen und mit Zentrierstift ansetzen.
  3. Drehzahl berechnen. Nutzen Sie die Schnittgeschwindigkeit aus dem Datenblatt, Formel auf Kernbohrer Drehzahl berechnen. Ratgeber nennen für Edelstahl mit HSS Werte im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Meter-pro-Minute-Bereich, diese variieren je nach Quelle stark. Verlassen Sie sich auf Ihre Herstellerangabe.
  4. Reichlich kühlen und schmieren. Kühlmittel direkt an die Schneide führen, bei tiefen Schnitten hilft ein Kühlkanal. Passende Produkte: Kühlschmiermittel.
  5. Gleichmäßig vorschieben. Nicht stehen bleiben, nicht reiben. Beim Durchbruch den Druck reduzieren.
  6. Kern auswerfen, bevor Sie die nächste Bohrung setzen.

Typische Fehler

FehlerFolge
Vorschub zu geringReiben, Kaltverfestigung, schneller Verschleiß
Keine oder zu wenig KühlungÜberhitzung, Schneidenausbruch
Werkstück nicht festRattern, Zahnbruch
Drehzahl wie bei BaustahlSchneide überhitzt

Weitere Fehlerbilder erklärt die Seite Kernbohrer: Probleme und Ursachen. Die Kühlung bei langen Schnitten behandelt Kernbohrer Standzeit verlängern.

Häufige Fragen

Kann ich Edelstahl mit einem normalen HSS-Kernbohrer bohren? Bei dünnem Material und kleiner Stückzahl geht das je nach Modell, auf Dauer eignen sich ASP oder Hartmetall besser. Prüfen Sie die Freigabe des Herstellers für Edelstahl.

Muss ich bei Edelstahl immer kühlen? Bei HSS und ASP ist reichlich Kühlschmierstoff üblich. Bei Hartmetall nennen Hersteller teils eigene Kühlarten (zum Beispiel Öl, nass oder trocken), die im Datenblatt stehen.

Warum wird die Bohrung nach dem Anbohren plötzlich schwerer? Häufig ist die Oberfläche durch Reiben kaltverfestigt. Dann hilft nur ein neuer Ansatz mit höherem Vorschub oder ein Wechsel auf einen scharfen Bohrer.

Welche Aufnahme brauche ich? Das richtet sich nach Ihrer Maschine, siehe Weldon 19, Weldon 32 und Quick-In.

→ Zu den Kernbohrern

← Zurück zum Ratgeber