Kurzantwort: Einige HSS-Kernbohrer sind ausdrücklich als nachschärfbar ausgelegt, bei Hartmetall bieten Hersteller dagegen häufig einen eigenen Nachschliff-Service an. Ob sich das Schärfen lohnt, hängt von Schneidstoff, Durchmesser und Zustand der Zähne ab. Ausgebrochene Zähne und zu kurze Schneiden sind ein Fall für den Austausch.
Woran erkenne ich, dass ein Kernbohrer stumpf ist?
Typische Anzeichen sind steigender Anpressdruck bei gleichem Vorschub, deutlich längere Bohrzeiten, Quietschen, blau angelaufene Schneiden, verstärkte Gratbildung am Bohrlochrand und Späne, die kürzer oder staubiger ausfallen als zu Beginn. Wer in diesem Zustand weiterbohrt, überhitzt die Schneide zusätzlich, der Verschleiß beschleunigt sich. Rechtzeitig zu wechseln spart meist mehr als das Zu-Ende-Fahren.
Welche Kernbohrer lassen sich nachschleifen?
Hersteller kennzeichnen das unterschiedlich. Manche Hersteller beschreiben HSS-Kernbohrer ausdrücklich als nachschärfbar, auch beschichtete Ausführungen werden als leicht nachschleifbar angegeben. Bei Hartmetall-Kernbohrern wird dagegen häufig ein Original-Nachschliff durch den Hersteller beworben. Das spricht dafür, dass Hartmetall in der Regel Spezialwerkzeug und Erfahrung erfordert.
| Schneidstoff | Nachschleifen | Praxis |
|---|---|---|
| HSS | bei vielen Modellen möglich | Herstellerangabe prüfen, spezielle Schleifvorrichtung nutzen |
| ASP | Herstellerangabe prüfen | n. a. (modellabhängig) |
| Hartmetall (HM) | meist über den Hersteller oder Fachbetrieb | Hartmetall ist sehr hart und spröde, Diamantschleifmittel nötig |
Ob ein bestimmtes Modell nachgeschliffen werden darf, steht im Datenblatt oder wird vom Hersteller auf Anfrage beantwortet. Eine Beschichtung (zum Beispiel TiN oder TiAlN) geht beim Schleifen an der Schneidfläche verloren, die Schneide ist danach unbeschichtet. Das beeinflusst die Standzeit.
Wann lohnt sich Nachschleifen?
- Der Bohrer ist hochwertig und nachschärfbar ausgelegt.
- Die Zähne sind nur gleichmäßig verschlissen, nicht ausgebrochen.
- Der Durchmesser ist groß, der Neupreis entsprechend hoch.
- Sie setzen den Bohrer häufig ein und haben Zugang zu einer geeigneten Schleifvorrichtung oder einem Service.
Wann ersetzen Sie besser?
- Mehrere Zähne sind ausgebrochen oder eingerissen.
- Der Grundkörper ist verzogen oder der Bohrer schlägt beim Lauf.
- Die Schnitttiefe ist nach mehrfachem Schleifen zu knapp geworden.
- Es handelt sich um einen einfachen Bohrer, bei dem der Aufwand den Neupreis übersteigt.
Fehler beim Schleifen
Zu viel Hitze, zu wenig Kühlung und ungleichmäßiger Abtrag an den Zähnen führen zu Rundlauffehlern. Ein Kernbohrer schneidet nur dann sauber, wenn alle Zähne gleich lang und gleich geschliffen sind. Wer ohne Vorrichtung freihändig schleift, verschlechtert das Ergebnis häufig. Beachten Sie außerdem die Schutzausrüstung beim Schleifen (Schutzbrille, bei Hartmetall zusätzlich Absaugung).
Standzeit statt Nachschliff: Verschleiß vermeiden
Je später ein Bohrer stumpf wird, desto seltener müssen Sie überhaupt entscheiden. Hilfreich sind passende Kühlung, gleichmäßiger Vorschub und ein sauber ausgeworfener Kern, mehr dazu unter Standzeit verlängern. Zu den Ursachen typischer Ausfälle lesen Sie Kernbohrer: Probleme und Ursachen. Die Frage, ob HSS oder Hartmetall zu Ihrer Anwendung passt, klärt Kernbohrer für Metall.
Häufige Fragen
Kann ich einen Hartmetall-Kernbohrer selbst nachschleifen? Das ist mit normalen Schleifscheiben nicht sinnvoll, weil Hartmetall sehr hart ist. Üblich sind Diamantschleifmittel oder der Nachschliff-Service des Herstellers.
Wie oft kann ich einen Kernbohrer nachschleifen? Eine feste Zahl gibt es nicht. Mit jedem Schliff wird die Schneide kürzer. Wenn die Schnitttiefe nicht mehr reicht oder die Zähne zu klein werden, ist Schluss.
Verliere ich die Beschichtung? An den neu geschliffenen Flächen ja. Die Beschichtung sitzt auf der Oberfläche und wird beim Schleifen abgetragen.
Lohnt Nachschleifen bei kleinen Durchmessern? Meist nicht. Bei günstigen Bohrern übersteigen Aufwand und Versand oft den Neupreis.